Logo Volksgeld gross
 

Volksgeld ist Vollgeld
minus Einkommens- und Vermögenssteuern

Eine kritische Betrachtung der Vollgeld-Initiative in der Schweiz

Deutsche Vordenker für ein modernes Geldsystem wollen die Geld- und Finanzinstitute, die Geschäftsbanken, entmachten. Die Geldschöpfung sei einzig und nur den Zentralbanken gestattet. Für den Austragungsort «aus der Finanzkrise» im Euro-Raum haben sie die Schweiz ausgewählt, von deren Volksrechten sie sich Vorteile erhoffen, mit denen sie in Deutschland noch längere Zeit kaum rechnen können. Sie benutzen die Schweiz als Übungsplatz für eine kommende Volksabstimmung zur Vollgeld-Reform in Deutschland, sobald die Zeit reif ist dazu. So weit könnte es kommen, wenn die EU auseinanderfällt oder der Euro wieder durch die früheren nationalen Landeswährungen ersetzt wird. Treibende Kräfte hinter der Initiative sind Thomas Mayer (Bürgerrechtler) und Roman Huber (Initiant der Verfassungsbeschwerde in der BRD gegen die Eurorettungsschirme). Für die Initiative haben sie ihr Buch «Vollgeld, das Geldsystem der Zukunft» auf den Büchermarkt gebracht. Unterstützung scheinen sie von Prof. Bernd Senf zu haben, dessen ins Weltnetz gestellte Videos große Beachtung finden. Die Initiative wird in der Schweiz vom «Verein Monetäre Modernisierung» des pensionierten Volkschullehrers Hansruedi Weber unterstützt. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) bewertete die Initiative nach deren Vorstellung in Bern im Juni 2014 als untypisch und kompliziert, sie entspringe nicht parteipolitischen und wirtschaftlichen Interessen. Das muß sie auch nicht, wenn sie Vorteile für alle hat. Wir berichten hier, wie die Initiative einzuordnen und zu bewerten ist:

Die Vollgeld-Initiative geht auf einen Vorschlag von Prof. Joseph Huber und James Robertson in ihrem Buch «Geldschöpfung in öffentlicher Hand» zurück. Er wurde erstmals 2001 von der New Economics Foundation (nef) publiziert. James Robertson war 1965 bis 1973 Direktor eines Forschungsinstituts der britischen Banken und war schon vorher in britischen Regierungsämtern tätig. Die Bank of England zählt mit dem an erster Stelle stehenden amerikanischen Federal Reserve System, über das in den USA rund 20 Distrikt- und ihre Privatbanken ein wachsames Auge haben, zu den weltweit dominantesten Bankenplätzen.

Anzunehmen, daß Robertson nach rund 30jähriger Tätigkeit für den britischen Staat und die britische Bankenwelt plötzlich für eine dem System nachteilige Geldordnung eintritt, gleicht einem frommen Wunsch. Schon der Buchtitel «Geldschöpfung in öffentlicher Hand», eine von Joseph Huber überarbeitete deutsche Fassung, ist irreführend, weil für die im Buch beschriebenen Machtbefugnisse der Zentralbanken die «öffentliche Hand» keine Mitsprache hat. Das Volk wäre wie bisher nicht an Beschlußfassungen beteiligt. Von «öffentlich» kann daher nicht die Rede sein, sondern das Attribut gilt dem Stimmenfang.

Die Vollgeld-Idee hat sogar Nachteile. Der wichtigste davon ist, daß das Geldmonopol bei den «unabhängigen» Zentralbanken verbleibt. Wohin dies führt, hat in der Schweiz die Mindestkursbindung an den Euro gezeigt. Er soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) gemäß NZZ vom 16. Jan. 2015 sechzig Milliarden Franken gekostet haben. Geld, das indirekt vom Volk durch seine Steuerabgaben bezahlt wird, denn für die Gewinn-Ausschüttung an die Kantone verbleibt der SNB durch den Verlust weniger als üblich, was die Steuerzahler zu spüren bekommen werden. Die Mindestkursaufhebung stellt die vom Import abhängigen Unternehmer zudem vor neue Probleme.

J. Huber und J. Robertson erklären in ihrem Buch die von ihnen «vorgeschlagene Methode, neues Geld zu schöpfen und in Umlauf zu bringen und wie sich dies auf die öffentlichen Finanzen auswirkt… Die Zentralbanken werden… in hohem Masse unabhängig sein. Regierungen dürfen auch zukünftig nicht die Macht haben, in die Entscheidungen der Zentralbanken über die Menge des zu schöpfenden Geldes einzugreifen… Auf die… Steuerpolitik wird sich (die vorgeschlagene Methode) deutlich positiv auswirken.» (S. 13)

In einem Geldsystem «in öffentlicher Hand» (d. h. des Volkes) müssen die für die Öffentlichkeit benötigten/erforderlichen Finanzen sich auf die Geldschöpfung auswirken, nicht umgekehrt! Das heißt, das Ergebnis bei den Zentralbanken muß (in der Schweiz), wie der Bundesrat von den gewählten Parlamentariern gewählt wird, das Resultat der vom Volk gewählten (kantonalen) Finanzberater und Betriebswirtschafter sein. Wenn, wie von den Autoren explizit erwähnt, die Regierung gegenüber der Zentralbank machtlos ist, über die Menge des zu schöpfenden Geldes zu entscheiden, hat sich nur die bisherige Geldschöpfung von den Geschäftsbanken auf die Bundesbank verschoben. Alles andere bleibt bestehen und kann beliebig, auch gesetzlich und zum Nachteil des Volkes, jederzeit geändert werden. Die Vollgeld-Initiative ist ein Bluff der Bankenelite und jener, die ihren Machtpoker mitspielen oder ihn nicht zu durchschauen sich bemüht haben.

Ein nachteiliger Hinweis zum Vollgeld folgt weiter unten beim Stichwort «Inflation», wovor uns das Vollgeldsystem nicht schützt, denn die Zentralbanken allein hätten wie schon bisher Entscheidungsbefugnis zur Geldherstellung. Unser Vorschlag ist das Volksgeld, womit die Zentralbanken ihr Selbstbestimmungsrecht einbüssen, denn unter einem neuen Bankengesetz würden die gewählten (kantonalen) Finanzberater anläßlich ordentlicher und außerordentlicher Budgetsitzungen die erforderliche nationale Geldmenge bestimmen und auf dieser Grundlage die Zentralbanken zur Geldschöpfung ermächtigen.

Der Vorteil des Vollgeldes, nach dem Schweizer Initiativkomitee «das Geldschöpfungsmonopol», besteht auch beim Volksgeld. Hinzu käme noch der unermeßliche Vorteil, daß für Arm und Reich das Steuergeldzahlen ein Ende hätte. Allein schon das Schließen aller Steuerämter und das Wegfallen von Abermillionen Steuererklärungen samt ihren Beilagen, Erklärungen und die ganze, selbst von Juristen kaum noch durchschaubare Gesetzesflut würden auf jeder Staatsebene viele Milliarden Franken einsparen. Geld, das besser eingesetzt werden könnte. Wer der Meinung ist, Steuerzahlen sei unentbehrlich, beantworte folgende Fragen und Hinweise:

A.  Durch was unterscheidet sich
das Geld der Steuerzahler für aus Lohn und Einkommen bezahlten Gemeinde- und Kantonsaufwendungen
von jenem
von der Bundesbank zum gleichen Zweck geschöpften Geld für Direktzahlungen der Zentralbank (SNB) an die Gemeinden, Kantone und den Staat?
 
B.  Hat Geld für Steuerzwecke eine andere Qualität wenn es
wie beim Vollgeld von der Bundesbank über den Umweg an Unternehmer für Lohnzahlungen und später von den Arbeitnehmern und Selbständigerwerbenden für Steuerzahlungen gebraucht wird
wie wenn
beim Volksgeld die Bundesbank ebensoviel Geld direkt auf die Girokonten der Kantone, Gemeinden und den Staat für Steuergeldzwecke überweisen läßt?
 
C.  Die Transaktionskosten
Die Transaktionskosten bzw. das Wegfallen derselben für Steuerzahlungen an Gemeinde, Kanton und Bund (in der Schweiz geschätzt sechs Millionen Steuerzahler) ergibt achtzehn Millionen Zahlungsaufträge an die Geldinstitute der Post oder Bank und von diesen ebenso viele auf die Girokonten der begünstigten Finanzämter. Diese sind zusätzlich zu bewerten. Das Volksgeld vermindert diesen unproduktiven Arbeitsaufwand (jährlich 36 Millionen Transaktionen) und hilft Geld sparen.
 
D.  Kosten der Steuerverwaltungen
Die Lohn-, Drucksachen-, Büro-, Verwaltungs- und Liegenschaftskosten für Gemeinde- und Kantonssteuerämter sind beim Wegfallen dieser unproduktiven, kostenintensiven Verwaltungen als zusätzlicher Vorteil für das Volksgeld zu bewerten.
 
E.  Spargeldeinlagen
Gleichzeitig mit dem Wegfallen des Steuerzahlens werden alle bei den Sparkassen und Geschäftsbanken liegenden Spargelder auf Namenkonti der Inhaber an die Zentralbank überwiesen. Die Spargeldeinlagen werden dem Inhaber jederzeit teilweise oder vollständig ausbezahlt. Spargelder werden fortan nicht mehr verzinst. Sie werden für Steuergeldzwecke benutzt und verringern die Menge der Neugeldschöpfung.
 
F.  Bonität der Landeswährung
Wenn die Schweiz Anleihen (Staatsobligationen) ausschreiben kann und Käufer findet, die dem Staat für diese Papiere Geld ausleihen und während deren Laufzeit (bis sie das Geld zurückbekommen) Zinsen erhalten, dann kann sie auch von der SNB geschöpfte Schweizer Franken ausgeben. Denn was die Anleihe für die Käufer vertrauenswürdig macht, ist die Bonität der Landeswährung. Diese aber beruht auf der Arbeitskraft des Volkes. Es wäre daher grotesk zu behaupten, der Staat kann Obligationen ausgeben, aber die SNB keine Banknoten zu Steuergeldzwecken.

Kontaktformular hier

Der Österreicher Gerhoch Reisegger, ein Befürworter des Volksgeldes, schrieb das Buch «Wege aus dem Globalisierungs-Chaos». Es zählt zu den besten Büchern über das Geldwesen. Sein Buch ist anspruchsvoll und streckenweise komplex. Ein weiteres Buch ist «Die Gold-Verschwörung» des ehemaligen Schweizer Bankiers Ferdinand Lips (er war 1968 Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Bank Rothschild AG in Zürich. 1987 gründete er in Zürich seine eigene Bank Lips AG. 1998 zog er sich aus dem Berufsleben zurück und verkaufte seine Anteile an der Bank). Sein 2003 erschienene Buch kam ein Jahr zuvor mit dem englischen Titel «Gold Wars» in den USA in den Verkauf. Lips ist überzeugt und weist geschichtlich nach, daß eine partiale Golddeckung die einzige Möglichkeit ist, die Werterhaltung des Geldes zu stabilisieren. Ferdinand Lips ist im Jahr 2005 gestorben.

Wer nicht zumindest diese zwei Bücher über das Weltfinanzsystem gelesen hat, sollte bei Geld-Initiativen vorsichtig sein und sich nicht ohne Not auf fremde Pferde setzen. John Maynard Keynes (1883 – 1946), Miterfinder des Bretton Woods-Abkommens von 1944 sagte, «daß nicht einer unter einer Million das Wesen des Geldes verstehe».

Das Abkommen verpflichtete die Banken jener 32 Teilnehmerstaaten, die unterschrieben hatten, jede Menge Dollar zum unabänderlichen Wert von 35 Dollar pro Unze Gold (31.1 g) anzunehmen. 1971 kündigten die USA das Abkommen, sie erklärten damit faktisch den Bankrott, der Dollar wertete massiv ab, die Schulden der USA wurden auf die Gläubiger abgewälzt.

Wie das Finanzsystem gesteuert wird, konnte ein jeder im Endkampf zur Schweizer Goldinitiative vom 30. November 2014 mitverfolgen. Das Ja wurde vom Volk durch die gesteuerten von der Hochfinanz presstituierten Massenmedien mit einem auf die Zukunft gerichteten Angstsyndrom verweigert.

Nachfolgend noch eines der geldpolitischen Ziele des Vollgeldes, nämlich die Inflation durch eine Geldumlaufkontrolle steuern zu wollen: Es ist purer Unsinn, daß man die Geldmenge dem Wirtschaftsbedarf anpassen könne, wozu dann auch noch die Umlaufgeschwindigkeit nach Silvio Gesell hinzukäme. Wer will denn wissen wie groß der Bedarf ist, und wie sollen Menge und Geschwindigkeit angepaßt werden? Man kann der von Keynes genannten Million Menschen jeden Bären aufbinden und wenn man es nur geschickt genug macht, glauben alle daran.

Sollte die Vollgeld-Initiative angenommen werden, wäre damit die Weiche in eine neue aber unerfreuliche Zukunft der Zentralbanken gestellt, eine Weiche, die kaum in den kommenden 50 bis 100 Jahren ein zweites Mal umgestellt werden könnte. Das herrschende Geldsystem (die Schweiz ist ein wichtiger Bankenplatz) wird auf die Vollgeld-Initiative ähnlich reagieren wie schon auf die Golddeckungs-Initiative, die jämmerlich gescheitert ist. Auch wenn das diskutierte Vollgeld Vorteile hat, wußten die Initianten nicht das richtige Startfenster für die Initiative abzuwarten. Ein radikaler Wechsel des Geldsystems gelingt erst in einer Krisenzeit. Von einer solchen (wie beispielsweise in Griechenland, Spanien oder Portugal) ist die Schweiz, bisher verschont geblieben, weit entfernt.

Gleiches gilt für das Volksgeld, das aber im richtigen Moment lanciert kaum auf Widerstand stoßen wird. Das Lamento der Finanzwirtschaft wäre vergeblich, denn die Menschen wollen sich nach allen schlechten Erfahrungen der vergangenen 150 Jahre nicht noch einmal vom eigennützigen Finanzmonopol berauben und von der eigenen Regierung wie eine Zitrone zum Steuergeldzahlen auspressen lassen. Das alte Geldsystem wird zur rechten Zeit durch ein erfrischendes Volksgeld abgelöst werden.

Zuerst ist jedoch flächendeckend der Boden dafür vorzubereiten. Die Vollgeld-Initiative hat das ihre dazu beigetragen. Deren Lücken sind noch zu schließen. Doch die Schweizer Vollgeld-Initianten verhalten sich wie ungeduldige Kinder, die nicht auf Weihnachten warten können.

Die Vollgeld-Initiative Weiter…

 

Pfeil zurück Impressum Logo Volksgeld klein Kontakt:  webmaster@Volksgeld.ch