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Pro Memoria Albert Lämmel

27.5.1917 – 8.7.2010

Sein Kampf gegen das ungerechte Geldsystem

Geboren in Villach (Kärnten) machte Albert Lämmel 1936 in Wien Bekanntschaft mit Heinrich Färber, dem Schöpfer der ergokratischen Wirtschaftslehre und Autor von Büchern und Flugschriften wie etwa «Ursachen der Teuerung und Inflation» oder «Das Raubtier Notenbank». «Mit steigendem Interesse las ich die Bücher und Schriften Färbers», berichtet Albert Lämmel aus jener Zeit. Im zerstörten Wien bereitete er sich mit seinem Onkel Josef Salesy, einem Buchdruckermeister, auf die Herausgabe der Wochenzeitung «Der Ergokrat» vor, und bald darauf verbreiteten sie ein Flugblatt mit dem Titel «Rettung der Menschheit», in welchem von der Regierung Österreichs nichts weniger als die Umstellung des Steuerwesens «von einer bürokratischen auf eine automatische und damit auch gerechte und rationelle Grundlage» und «freie Handelsbeziehungen zu allen Staaten» gefordert wurde, wobei nicht ein bürokratischer Apparat zu bestimmen habe, sondern die Kaufleute selbst. 1947 erschien von Albert Lämmel die «Ergokratische Botschaft» und im Mai 1948 war dann die Gründung der «Ergokratischen Partei Österreichs» (EPÖ) perfekt und ihr «Ergokrat» erschien wöchentlich in einer Auflage von über 10.000 Exemplaren. Wenig später wurde die EPÖ in der britischen Besatzungszone Steiermark und Kärnten verboten. Albert Lämmel führte dies auf die Intervention der Sozialistischen Partei Österreichs zurück, «die ihre Wähler schon in Scharen davonlaufen sah», schreibt Peter Autengruber in seiner Dissertation mit Hinweis auf einen Brief von Albert Lämmel vom 1. Januar 1985.

Aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit im Anzeigen- und Werbefach verlegte Albert Lämmel 1954 seinen Wohnort nach Rastatt (Baden-Württemberg). Zur Überwindung der Hauptkrisenursache unseres Geldsystems, die Zinswirtschaft, gründete er 1955 mit der Geldreform-Publizistin Dr. Emmy Wagner zusammen in Frankfurt a. M. den Verlag «Der Schlüssel». In diesem gab er fast 55 Jahre lang die Geldreformzeitschrift «Schlüssel» heraus. Darüber hinaus weitere Broschüren als «Geld-Reformschriften». Im gleichen Verlag erschien von Michael Kirow, alias Albert Lämmel, im Jahr 1987 ein Zukunftsroman «Wende in Moskau», eine Gegenutopie zu Orwells «1984», in der dieser die Grausamkeit eines weltbeherrschenden totalitären Regimes beschreibt. Nachdem Bert, wie ihn seine Freunde nennen, Orwells grausame Zukunftsfiktion vor Augen hatte, beschrieb er in seinem Buch das Konzept einer von dem österreichischen Volkswirtschafter Heinrich Färber entwickelten geldtechnischen Reform, die sein Romanheld Gontscharew (Gorbatschow) aufgreift und die weltumspannend wird. Während der «Studentenrebellion» 1967 forderte Albert Lämmel den Studentenführer Rudi Dutschke nach dessen Vortrag in der Universität Mannheim (mit Dutschkes wissenschaftlich so unhaltbaren wie in der Praxis unbrauchbaren marxistischen Vorstellungen zur Lösung der Verteilungsfrage) zu einer öffentlichen Diskussion auf. Dutschke sagte zu «und schrieb mir seine Berliner Adresse in ein Che Guevara-Büchlein, das ich dort erstanden hatte», kniff aber, als es so weit war, wie viele andere Herausgeforderte auch. Mit einer Namensanleihe bei der in Wien des Jahres 1896 von Josef Schlesinger herausgegebenen Broschüre «Volksgeld», Untertitel «Befreiung der Staaten und Völker aus den Klauen der Hochfinanz», gründete Albert Lämmel im Jahr 1968 die «Bürgerinitiative Volksgeld». 1980 am Parteitag der Grünen, denen Lämmel zeitweilig angehörte, wurde aufgrund seiner Kritik Punkt V des Programms, «Währung, Finanzen, Wirtschaft», wegen gravierender Mängel zur Überarbeitung zurückgezogen. Am 16. April 1994 wurde Albert Lämmel vom «Deutschen Autorenverband» des Landesverbandes Baden-Württemberg zum neuen Vorsitzenden gewählt. Im September 1995 veranstaltete er mit seinen Freunden des «Bürgerschutzes Österreich», der sich auf ihr Programm stützte den 1. «Europäischen Währungsreformkongreß» in Steyr/Oberösterreich. Im August 1997 den 2. Kongreß in Wien/Mödling, und den 3. Kongreß 2001 in Klagenfurt. Der «Bürgerschutz Österreich» wurde später in «Europäische Geldreformbewegung» (EGB) umgetauft. Mit der Gründung der Europäischen Volksgeld-Bewegung im Jahr 2001 in Basel legte Albert Lämmel einen weiteren Meilenstein, der just Früchte zu tragen beginnt. Die seit zehn Jahren in Deutschland (Fretterode) herausgebrachte Vierteljahreszeitschrift «Volk in Bewegung» bringt auf Seite 12 ihrer jüngsten Ausgabe einen Beitrag des Schweizers Bernhard Schaub, in dem dieser sich mit klaren Worten gegen den Welteinheitsstaat und die Diktatur des internationalen Kapitals ausspricht: «Die Macht des internationalen Hochkapitals fällt in dem Augenblick zusammen, wo die Zinsknechtschaft gebrochen wird.» Die Willkür der internationalen Bankiers und ihrer Profiteure muß gebrochen werden! Albert Lämmel hat mit seinem Roman «Wende in Moskau» noch vor Michail Gorbatschows Siegeszug im Kreml die atemberaubende Entwicklung in großen Teilen vorweggenommen, wenn nicht gar vorhergesehen.

Wir bleiben mit Albert Lämmel in der Zuversicht verbunden, daß das bürokratische, ungerechte und unsoziale Geldsystem an seinem nicht reformierbaren Ende angekommen sei. Der feste Wille von uns allen und über alle Parteigrenzen hinweg einigt die Patrioten Europas in ihrer gemeinsamen Aufgabe, durch unermüdliche Aufklärungsarbeit der Zinsknechtschaft ihr längst fälliges Ende zu bereiten. Dieser Aufgabe in edler Pflicht zugetan, läßt uns die Erinnerung an Bert Lämmel wachhalten.

 

 

Kurz nach seinem Basler Referat 2001 hatte Albert Lämmel einen ersten Schlaganfall, den er aber gut überwand. Doch im Januar 2010 erlitt er einen zweiten Schlaganfall, der ihm mehr Mühe machte. Ende Juni mußte er wegen eines nicht operierbaren Magengeschwürs ins Krankenhaus verbracht werden, wo er nach kurzem Leiden am 8Juli 2010 im 93. Lebensjahr verstarb. Bert hinterläßt eine Witwe, zwei Söhne und zwei Enkelinnen. Wir behalten Bert in lieber Erinnerung. Er wird uns für die bevorstehende Geldreform sehr fehlen. Wenn er manchmal erschöpft war, oder wenn irgendwelche Holzköpfe Heinrich Färbers «Ergokratie» nicht begreifen wollten, fand er immer wieder Trost im «Hobellied», das er oft und gern rezitiert hat:

 

Hobellied

von Ferdinand Raimund

Da streiten sich die Leut herum
oft um den Wert des Glücks;
der eine heißt den andern dumm;
am End' weiß keiner nix.
Da ist der allerärmste Mann
dem andern viel zu reich!
Das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt s' beide gleich.

Die Jugend will stets mit Gewalt
in allem glücklich sein;
Doch wird man nur ein bissel alt,
da gibt man sich schon drein.
Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut;
da klopf ich meinen Hobel aus
und denk, du brummst mir gut!

Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
und zupft mich: Brüderl, kumm!
Da stell ich mich ein wenig taub
und schau mich gar nicht um.
Doch sagt er: "Lieber Valentin!
mach keine Umständ, geh!"
So leg ich meinen Hobel hin
und sag der Welt ade!

 

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